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Kultur

Herbstvergnügen pur: Gruseln in Irland

12.11.2013

Harry-Potter-Feeling oder Agatha Christie? Im herbstlichen Irland jedenfalls – dem Romantik-Ziel schlechthin – kommen die Geister manchmal auch ungerufen, hat Autor Hans Schloemer festgestellt

Nebliger Wald im Dunkeln

Landlust in Irland: ideal für Schlossgespenster, Verliebte und durchsichtige Mädchen
Foto: TUI

Noch zwei Minuten bis Mitternacht. Die Vorhänge am weit geöffneten Fenster hängen schlapp wie die Ohren eines Bluthundes. Kein Windhauch, kein Geräusch. Ich lösche die Nachttischlampe, warte in der Dunkelheit. Noch eine Minute. Noch 30 Sekunden. Irgendwo tief im Schloss schlägt eine Uhr. Mitternacht.

Plötzlich zerreißt ein rauer, kehliger Schrei die Stille der Nacht. Irgendwo da draußen, auf einem Baum in der Nähe des Fensters, muss ein Käuzchen hocken. Dem erbärmlichen Gekrächze nach zu urteilen, steckt das Federvieh in der Pubertät. Und so schweifen die Gedanken wieder zu der Frau, auf die ich warte. Sie soll sehr schön sein. Nur leider ein wenig durchsichtig.

Eine weiße Hotelzimmertür mit der Aufschrift Katherine Dillon 1654

Hinter dieser Tür verbirgt sich Katherine Dillon’s Geheimnis
Foto: Schloemer

Drei Guiness als Mutmacher

Die geheimnisumwitterte Dame von Zimmer Nummer 4 heißt Katherine Dillon. Sie segnete im 17. Jahrhundert das Zeitliche, soll dann aber als Spuk von Barberstown Castle zurückgekehrt sein. In dieser Nacht hat sie aber offenbar Ausgang. Wie schade, da habe ich dieses Zimmer wohl umsonst gebucht. Aber noch lange kein Grund, die zwei oder drei Guinness zu bedauern, die mir der Barmixer als bewährten Mutmacher vor einen Date mit einer durchsichtigen Frau verordnet hatte.

ZImmer im Barberstown Castle

Barberstown Castle in Irland: Weich gebettet war hier auch schon Gitarren-Genie Eric Clapton, ehemaliger Besitzer des Spukschlosses
Foto: Schloemer

TUI Reisetipp Irland

Schloss Dublin Schloss Dublin Auf der 11-tägigen Autorundreise „Burgen, Gärten und Inseln“ seht Ihr die schönsten Ecken des Landes. Von der Hauptstadt Dublin geht es zur Achill Island und den Aran Islands. Im Südwesten besucht Ihr den Ring of Kerry im Südwesten und den Powerscourt Gardens in Wicklow. Haltet die Kameras bereit, es ist echt eine Bilderbuchlandschaft. Schlossgespenster wünschen wir Euch nicht, aber ein wenig gruseln dürft Ihr Euch trotzdem, zum Beispiel in der Klosterruine Clonmacnoise, dem Ruinendorf Slievemore oder Croagh Patrick. Weitere Infos hier.

An Ken Healy ist auch nichts gespenstisches. In seinem blauen Anzug mit den breiten Nadelstreifen gleicht er eher einem Banker als einem Schlossherrn samt eigenem Geist. Ich treffe ihn am nächsten Morgen vor dem Portal von Barberstown Castle, wo er neben einem Golden Retriever und einer Jaguar-Limousine wartet. Hund und Auto haben schon etwas Patina angesetzt, aber das passt hier gut zum Ambiente. „Eine Erscheinung gehabt?“ fragt er mit einem Augenzwinkern. Ich bedauere zutiefst, leider nein.

Das Schloss gehörte Gitarrenlegende Eric Clapton

In der wintergartenartigen Halle lodert ein Kaminfeuer, umrahmt von gemütlichen Sofas. Nachdem der Tee serviert ist, erzählt Ken die Geschichte mit dem Leibwächter von Eric Clapton. Der Wachmann sei geradezu verliebt gewesen in die Dame von Zimmer 4. Er wollte immer nur dort nächtigen. Ihm sei sie natürlich regelmäßig erschienen, die durchsichtige Lady. Eric Clapton, der Rockstar, war neun Jahre lang Besitzer von Barberstown Castle. Ken Healy, Sohn eines Gastwirts, hat ihm 1987 das Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert abgekauft und in florierendes Schlosshotel umgewandelt.

Gruselgeschichten über die Dame von Nummer 4 scheinen Ken Healy ein geradezu teuflisches Vergnügen zu bereiten. Wen wundert’s: Geistererscheinungen und andere paranormale Phänomene werden von nicht wenigen irischen Hotels offensiv fürs Eigenmarketing eingespannt. Anscheinend rangiert neben einer vorzüglichen Küche und einem gut ausgestatten Spa ein formidables Gespenst ganz oben auf der Liste der Entscheidungskriterien potentieller Gäste. Und wenn das Blut in den Adern zu gefrieren droht – umso besser fürs Geschäft…

Schöner gruseln im Herbst

Wer also nachts nicht gern allein ist, sollte in diesen Tagen unbedingt nach Irland reisen. Wenn die Herbstnebel fallen, gruselt es sich noch mal so schön.

Ich kann da auch das Dunbrody House in Arthurstown empfehlen, ein georgianisches Herrenhaus von 1830, in dem Ihr fantastisch essen könnt. Sir Roger Moore und Pop-Sternchen Pink zählen zu den Stammgästen. Eine gediegene, heile Welt also, wenn man nicht zufällig in Zimmer 206 wohnt. Dort geistert die Lady ohne Gesicht, so hatte es mir die Dame an der Rezeption ganz im Vertrauen versichert. Leider war der Raum bei meinem Besuch schon vergeben.

In Ashford Castle fühlte ich mich auf Anhieb in die guten alten Edgar Wallace-Filme versetzt. Türmchen und Erker, Ritterrüstungen und vornehme Herren im Butleroutfit. Fehlten nur noch „Der Schwarze Abt“ oder „Der Frosch mit der Maske“. Schließlich liegt die gigantische Burganlage aus dem Jahr 1228 direkt am geheimnisvollen Lough Corrib, Irlands zweitgrößtem See.

Knarrendes Himmelbett, Sherry auf dem Nachttisch

In meinem Zimmer im Hauptturm – zum Verlaufen riesig, mit lustig knarrendem Himmelbett und Keksen samt Sherry-Karaffe auf dem Nachttisch – sollte nachts ein Mädchen in einem weißen Hemdchen umgehen, hieß es. Es wäre ganz durchsichtig – das Mädchen, nicht das Hemdchen.

 

Und was ist passiert? Nix. Ich habe geschlafen wie ein irischer Feldstein. Keine Erscheinung. Vermutlich war ich ihr einfach zu gruselig.

 

Stark dekoriertes Zimmer in Ashford Castle

Blümchen-Look muss auch im Schlafzimmer sein, schließlich sind wir in Irland

Schlagworte:Irland

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